Die unterschiedlichen Knochenschichten

Der Kieferknochen besteht aus einer harten Außenschicht, der Kortikalis und einer schwammartigen Knochenmasse im Inneren, die schon durch leichten Druck mit dem Finger ineinanderschwimmen kann, der spongiosa.
Es ist also einsichtig, daß diese schwammige Substanz eine Kaubelastung nicht aushalten kann. Bei in unseren Breitengraden üblichen Nahrungszerkleinerungs-akten kommt es zu einer Kaukraftentwicklung von 5 bis 25 N. Kraftspitzen können bei Zähnen, die senkrecht belastet werden, bis zu 50 N betragen.
Kortikaler Knochen, also der harte Knochen des Kiefers, der im Unterkiefer in verhältnismäßig dicker, im Oberkiefer nur in sehr dünner Schicht auf dem Schwammknochen aufliegt, kann bis zu 560 N Druck- oder Zugkraft vertragen. Er wird unter dieser Last zwar komprimiert, aber nicht so stark geschädigt, daß er sich nicht wieder erholen könnte.

 
   Die schwarzen gebogenen Linien kommen durch Laser licht zustande, mit dem knochenvershiebungen, die durch Lasteinleitung über das Implantat in den Knochen entstehen, nachgewiesen und gemessen werden können      Gleicher bereich nach einer erholungsphase.


Nach einer Erholungsphase, in der der Knochen sich wieder bis zur völligen Wiederherstellung streckt, ist er wieder in gleicher Weise belastbar und verformbar.

Spongiöser Knochen hat ungefähr ein Zehntel der Belastbarkeit von kortikalem Knochen. Mithin ist völlig sicher, daß Kieferimplantate ihre Hauptkraftübertragung im kortikalen festen Knochen erreichen müssen. Da im Oberkiefer nur selten eine feste kortikale Schicht vorhanden ist, an die sich ein zylindrisches Implantat anschmiegen könnte (Abb.6), und im Unterkiefer der Abstand der beiden kortikalen Flächen des Kiefers oft erheblich ist mit einer breiten Spongiosamasse oder sogar einem Leerraum dazwischen, so daß sehr großvolumige Implantate eingesetzt werden müßten, um eine Anschmiegung zylindrischer Implantate an die Kortikalis zu erreichen, haben die mit basalen Implantaten arbeitenden Implantologen ein System von Mono-Implantaten und Doppelplatten-Implantaten entwickelt, das praktisch bei allen Kieferformen in der Lage ist, durch Implantate mit der Form der Kiefer angepaßten Kraftübertragungsscheiben (Basisplatten) die Kaukräfte sicher auf den kortikalen Knochen zu übertragen (Abb. 7).